Algol A und Algol B
Am
20. Juli 2024 erwartet uns die erste von drei Konjunktionen, die
Uranus, der große Revoluzzer, Erneuerer und Befreier, zu Algol
bildet. Algol
ist ein Fixstern, der in vielen Kulturen schon seit Jahrtausenden
eine wichtige Rolle spielt. Nach dem, was überliefert ist, wurden
Algol in früheren Zeiten fast ausschließlich negative Eigenschaften
zugeschrieben. Der Stern wurde geradezu verteufelt, was sich noch
heute in seiner landläufigen Bezeichnung zeigt, denn Algol wird der
„Dämonenstern“ genannt. Die arabischen Astronomen, denen wir
einen Großteil der Sternnamen zu verdanken haben, die wir heute noch
gebrauchen, nannten diesen Stern Ra’s
al Ghul, was so viel wie der „Kopf des Dämons“ bedeutet. Für
die chinesischen Astronomen war Algol "Tseih She", was man
mit „gestapelte Leichen" übersetzen kann. Was
es mit diesen dramatischen Bezeichnungen auf sich hat und ob die
extreme Wortwahl gerechtfertigt ist, bespreche ich in diesem Artikel.
Die
erste exakte Uranus-Algol-Konjunktion findet am 20.07.2024 auf 26°30´
Stier statt. Die zweite exakte Uranus-Algol-Konjunktion findet am
14.10.2024 auf 26°31´ Stier statt. Die dritte und letzte exakte
Uranus-Algol-Konjunktion findet am 04.05.2025 auf 26°30´ Stier
statt. Da Uranus in einem 84 jährigen Zyklus durch den Zodiak läuft,
handelt es sich um eine verhältnismäßig seltene Konjunktion. Die
letzten Uranus-Algol-Konjunktionen fanden von 1940 bis 1941 statt
(siehe Daten am Textende).
Die
genannten Daten beziehen sich auf die Tage, an denen die Aspekte
exakt sind, aber die Themen, die die Uranus-Algol-Konjunktionen für
uns bereithalten, begleiten uns über einen längeren Zeitraum. In
konzentrierterer Form wirken die Aspekte von Mitte Juni bis Anfang
Dezember 2024 und von Anfang April bis Anfang Juni 2025 auf uns ein.
Eine kurze Annäherung gibt es noch mal von Ende Januar bis Mitte
Februar 2026, aber die Aspekte werden nicht mehr exakt. Wenn die
langsam laufenden Planeten Aspekte bilden, haben wir es mit
langfristigen Entwicklungszyklen zu tun. In den Tagen, in denen die
exakten Aspekte stattfinden, sind die Einflüsse zwar besonders
intensiv, aber unterschwellig prägen die Uranus-Algol-Themen die
astrologische Zeitqualität von Juni 2024 bis Juni 2025.
ALGOL
– DER STERN
Algol,
auch bekannt als Beta Persei, ist ein Dreisternsystem, das im
Sternbild Perseus liegt. Im tropischen Zodiak, mit dem die meisten
westlichen Astrologen arbeiten, lässt sich der Fixstern Algol auf
26°30' Stier finden (Stand 2024). Die Bezeichnung Fixstern ist
eigentlich nicht korrekt, denn fix bedeutet soviel wie feststehend
oder unbeweglich. Die Fixsterne bewegen sich aber in unserer Galaxie,
im Verhältnis zu den Planeten unseres Sonnensystems jedoch sehr
langsam. Fixsterne verändern ihre Position nur ungefähr alle 72
Jahre um einen Grad. Deshalb befindet sich Algol in jedem Horoskop
eines heute auf der Erde lebenden Menschen zwischen 24° und 26°
Stier (im tropischen Zodiak). Da Uranus in einem 84 Jahre-Zyklus
durch den Zodiak läuft, können wir einen Transit von Uranus und
Algol nur einmal im Leben erleben. In der astrologischen Arbeit mit
Fixsternen werden nur sehr enge Konjunktionen berücksichtigt, das
heißt die Entfernung zu einem anderen Himmelskörper kann bis zu
einem Grad betragen. Neben der Konjunktion spielt auch die Parallele
eine große Rolle. Alle anderen Aspekte, wie Oppositionen, Quadrate,
Sextile und Trigone werden in der Arbeit mit Fixsternen nicht
benutzt.
Das
Dreisternsystem besteht aus einem helleren bläulichen Stern (Algol
A), der ungefähr die
einhundertfache Helligkeit unserer Sonne hat und einem weniger leuchtstarken rötlich-gelben Stern (Algol B). Algol A
und Algol B umkreisen einander in einem sehr geringen Abstand und die
Umlaufperiode
beträgt 2,867 Tage.
Algol C, der dritte Stern im Bunde, kreist „in sicherer Entfernung“
um das Doppelsternsystem Algol A und B.
Algol C ist ungefähr 43 mal weiter von dem Doppelsternsystem
entfernt, als Algol A und B voneinander entfernt sind.
Algol B, Algol A und Algol C
Das
Dreisternsystem ist etwa 90 Lichtjahre von der Erde entfernt. Wenn
wir uns vor Augen halten, dass die Sonne im Durchschnitt 150
Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist, lässt sich ungefähr
erahnen wie viel weiter Algol von der Erde entfernt ist, denn 90
Lichtjahre sind um die 851,4
Billionen Kilometer! Auch wenn das menschliche Vorstellungsvermögen
derartige Entfernungen nicht erfassen kann, können wir zumindest
versuchen zu verstehen mit welchen Größenverhältnissen wir es hier
zu tun haben. Denn wenn wir uns die ungeheure Entfernung von Algol
vor Augen halten, können wir unseren Vorfahren den Respekt zollen,
den sie dafür verdienen, dass sie Algol bereits vor 3000 Jahren
beobachtet haben und ihre Erkenntnisse für die Nachwelt dokumentiert
haben.
Ein
bemerkenswertes Phänomen, das im Algol-System auftritt, ist das
sogenannte Algol-Paradoxon. Normalerweise ist der massereichere Stern
in seiner Entwicklung weiter fortgeschritten. Im Algol-System ist
aber der massereichere Stern Algol A "jünger", das heißt,
er besitzt größere Brennstoffreserven als Algol B. Dieses Paradoxon
wird dadurch erklärt, dass der schwerere bläuliche Stern seinem
rötlichen Begleiter ständig Masse abzapft. Es findet ein
kontinuierlicher Materiestrom von Algol B zu Algol A statt. Algol A
ist also der "aggressivere" Teil des Systems, während
Algol B, obwohl er durch Aufblähung größer ist, seine Masse opfern
muss, um Algol A in seinem "jugendlichen" Zustand zu
halten.
Im
Vergleich zu der Häufigkeit von Sonnen- und Mondfinsternissen, die
auf der Erde stattfinden, kommt es im Algol-System außergewöhnlich
oft zu Finsternissen. Diese Sternfinsternisse treten auf, wenn der
lichtschwächere Algol B den helleren Algol A teilweise bedeckt. Die
Finsternisse treten etwa alle 2 Tage und 21 Stunden auf und sie
dauern etwas mehr als 9 Stunden. Während einer Finsternis sinkt die
Helligkeit von Algol A auf ungefähr die Hälfte. Aufgrund der
regelmäßigen Verfinsterungen von Algol A, wurde der Stern von den
Astronomen im alten Griechenland das „blinkende Auge“ genannt,
denn von der Erde aus gesehen könnte man meinen Algol A schalte sein
Licht an und aus, wenn er zeitweise von seinem Begleiter verdunkelt
wird.
Traditionell
wurden die Zeiten, in denen Algol verdunkelt ist, als besonders
schwierig oder gar als gefährlich angesehen. Die alten Ägypter
haben gegen Ende der 19. Dynastie sogar einen Kalender entwickelt,
der sich an den wechselnden Lichtverhältnissen von Algol
orientierte, den sogenannten Kairo-Kalender, der zwischen 1244 bis
1163 vor Christus entstanden ist. Der Kairo-Kalender enthält eine
Liste von religiösen Festen, mythologischen Ereignissen, günstigen
und ungünstigen Tagen, Vorhersagen und Warnungen. Die vielen Rituale
und Kulthandlungen, die die alten Ägypter durchführten, richteten
sich in dieser Epoche streng nach dem Kairo-Kalender. Der
Kairo-Kalender ist das älteste erhaltene historische Dokument, das
die Beobachtungen eines veränderlichen Sterns mit bloßem Auge
dokumentiert. Für die heutigen Astronomen, die über fantastische
technische Möglichkeiten verfügen, grenzt es an ein Wunder, dass
die alten Ägypter schon vor 3000 Jahren dazu in der Lage waren den
ständigen Lichtwechsel und im Algol-System zu beobachten.

Auszug aus dem Kairo Kalender, ca. 1225 v. Chr. www.britishmuseum.org
Die
Beschaffenheit des Dreisternsystems gibt uns schon mal wertvolle
Hinweise auf die astrologische Bedeutung von Algol. Man könnte sagen
die Sterne Algol A und Algol B haben eine „vampiristische
Beziehung“ zueinander, während Algol C diese „toxische
Beziehung“ entweder besorgt beobachtet oder – als der lachende
Dritte - vielleicht sogar in irgendeiner Weise von dem Drama
profitiert.
Da
Beziehungen sehr komplex sind, ist es für Außenstehende oft schwer
die Vorgänge innerhalb einer Beziehung realistisch einzuschätzen.
Wenn es sich um eine Beziehung handelt, die von Missbrauch geprägt
ist, ist es besonders kompliziert die psychologischen Dynamiken zu
durchschauen, die eine solche Beziehung aufrechterhalten. Manchmal ist
das vermeintliche Opfer eigentlich der Täter und manchmal wird ein
Opfer selbst zum Täter. Der Mythos, der mit dem „Dämonenstern“
in Verbindung gebracht wird, handelt von naiver Unschuld, verletzter
Eitelkeit, Intrigen, Rache, Statusfragen, Machtmissbrauch,
Verstrickungen, Triebhaftigkeit und der Unterdrückung von Trieben.
Dieser Mythos ist vielleicht die älteste uns noch heute bekannte
Geschichte, die sich mit Trauma befasst. Der Mythos handelt aber auch
von posttraumatischem Wachstum, also von den Entwicklungs- und
Reifungsprozessen, die durch die Auseinandersetzung mit traumatischen
Erfahrungen in Gang gesetzt werden können.

Haupt der Medusa, public domain
ALGOL
– DER MYTHOS
Der
Mythos, den die alten Griechen mit Algol verbunden haben, handelt von
Medusa, der Gorgone mit den Schlangenhaaren, deren versteinertes
Haupt noch heute einige sehr alte Gebäude, Tempelruinen, Brunnen und
Öfen im Süden Europas ziert. Der griechische Astrologe, Astronom,
Mathematiker und Philosoph Claudius Ptolemäus,
der im 2. Jahrhundert gelebt hat, nannte Algol
„Gorgonea
Prima“,
was so viel wie „der erste (Stern) der Gorgone“ bedeutet.
Medusa
ist eine der bekanntesten und faszinierendsten Figuren der
griechischen Mythologie. Medusa war eine von drei Gorgonen; drei
Ungeheuer mit Schlangenhaaren, deren Anblick jeden zu Stein erstarren
ließ. Während ihre beiden Schwestern unsterblich waren, war Medusa
eine Sterbliche. Im Gegensatz zu ihren beiden Schwestern war Medusa
aber nicht immer ein furchterregendes Wesen. Ursprünglich war sie
eine wunderschöne Priesterin, die im Tempel der Göttin Athene
gedient hat. Medusas Schönheit war Anlass dafür, dass viele Männer
um ihre Gunst warben, aber sie wies alle Bewerber zurück, denn als
Priesterin der jungfräulichen Göttin Athene hatte auch sie
Enthaltsamkeit geschworen.
Trotzdem
allgemein bekannt war, dass Medusa zur Keuschheit verpflichtet war,
fühlte sich der Meeresgott Neptun (griechisch Poseidon) stark zu ihr
hingezogen. Er gierte so sehr nach Medusa, dass er sie schließlich
im Tempel der Athene vergewaltigte. Die Vergewaltigung von Medusa war
eine doppelte Entweihung: Neptun hat eine keusche Priesterin entweiht
und er hat den Tempel der Göttin Athene entweiht, die sich mit ihrer
Jungfräulichkeit rühmte. Athene war außer sich vor Zorn als sie
die furchtbare Tat entdeckte. Aber anstatt Neptun zu bestrafen,
belegte sie Medusa mit einem schrecklichen Fluch. Athenes Fluch
sollte Medusa so hässlich machen, dass ihr Anblick sogar die
Hässlichkeit ihrer fürchterlichen Schwestern in den Schatten
stellen würde. Der dunkle Zauber verwandelte Medusas schöne Haare
in züngelnde Schlangen, die sich wild zischend um ihr Haupt
schlängelten. Ihr anmutiges Gesicht wurde bis zur Unkenntlichkeit
entstellt. Anstelle von Zähnen hatte sie nun Reißzähne. Ihre Zunge
war gespalten und hing ihr aus dem geöffneten Mund. Ihre Augen
glühten und quollen aus den Höhlen hervor. Der bloße Anblick von
Medusa sollte fortan jeden zu Stein erstarren lassen, der ihr in die
Augen blickte.

Haupt der Medusa. Peter Paul Rubens, ca. 1618
Die
Tragödie von Medusa endete aber nicht mit ihrer Verfluchung. Der
Held und Halbgott Perseus, ein Sohn des Gottvaters Jupiter (griechisch Zeus), wurde von König Polydektes
beauftragt, die schier unmögliche Aufgabe zu lösen der
Gorgone den Kopf abzuschlagen. Mit den Leihgaben verschiedener Götter
ausgestattet machte sich Perseus auf den Weg. Athene hatte ihm ein
Schild zur Verfügung gestellt, das der Abwehr und der Verteidigung
dienen sollte. Merkur (griechisch Hermes) hatte ihm seine geflügelten
Sandalen geliehen und eine scharfe Sichel mit auf den Weg gegeben.
Pluto (griechisch Hades) borgte ihm seine „Hadeskappe“, einen
Helm, der ihm die Fähigkeit verlieh sich unsichtbar zu machen.
Über
viele Umwege konnte Perseus endlich das Versteck von Medusa ausfindig
machen. Durch einen Trick gelang es ihm schließlich die Gorgone zu
enthaupten. Er benutzte das blankgeriebene Bronzeschild der Athene
als Spiegel, denn nur indem er Medusa durch den Spiegel anblickte,
konnte er ihr den Kopf abschlagen, ohne ihr dabei direkt in die Augen
sehen zu müssen. Der Blick in den Spiegel ermöglichte es Perseus
der Versteinerung zu entgehen und Medusa zu töten. Aus der
klaffenden Wunde an ihrem Hals entsprangen Pegasus, das sagenhafte
geflügelte Ross und Chrysaor, ein mächtiger Krieger mit einem
goldenen Schwert.
Nachdem
Perseus Medusa enthauptet hatte, fing er ihr Blut auf, denn Medusas
Blut war sowohl Gift als auch Medizin. Das Blut, das er der rechten
Seite ihres Halses entnahm, hatte Heilkräfte, während das Blut, das
er der linken Seite ihres Halses entnahm, giftig war. Der Teil des
Blutes der Gorgone, das Heilkräfte besaß, wurde zu einem mächtigen
Heilmittel. Insbesondere Asklepios, der Gott der Heilkunde und der
Medizin, wurde durch das wundersame Heilmittel berühmt. Mit dem Blut
der Medusa machte er das Unmögliche möglich und erweckte Tote
wieder zum Leben. Die Wiederbelebung von Toten sollte ihm allerdings
zum Verhängnis werden, aber das ist eine andere Geschichte...
John Singer Sargent, Perseus on Pegasus Slaying Medusa, 1925, public domain
Auch
nach ihrem Tod behielt das Haupt der Medusa seine versteinernde
Kraft. Mit dem Gorgonenhaupt bewaffnet konnte Perseus seine Feinde
besiegen, die sich ihm bei seiner Rückkehr in den Weg stellten. Ein
Kampf, den Perseus auf seinem Rückweg ausfechten musste, ist
besonders entscheidend, nämlich sein Kampf gegen das Seeungeheuer
Keto, das ausgerechnet die Mutter von Medusa war.
Andromeda,
eine schöne, junge Prinzessin, war an eine Felswand gekettet worden,
weil ihre Mutter Kassiopeia behauptet hatte, dass sie schöner sei
als die Nereiden. Die Nereiden waren liebliche Meeresnymphen, die für
ihre Schönheit bekannt waren. Ihre Aufgabe war es Schiffbrüchige
vor dem Ertrinken zu beschützen und Seemännern das einsame Leben
auf dem Meer zu verschönern.
Die
Nereiden waren Begleiterinnen des Meeresgottes Neptun. Neptun hatte
also auch in diesem Teil der Geschichte seine Finger mit im Spiel!
Der Meeresgott hörte von der Behauptung Kassiopeias, dass sie
schöner sei als seine Nereiden und er wollte diese Beleidigung nicht
auf sich sitzen lassen. Er war so erzürnt über die Herabwürdigung
seiner Gespielinnen, dass er das Meeresungeheuer Keto aussandte und
eine schreckliche Flut über das Land ergehen ließ. König Kepheus,
der Vater von Andromeda, wusste sein Land nicht gegen die Flut und
gegen das Ungeheuer zu schützen. So suchte er einen Seher auf, um
seinen Rat einzuholen. Auf Anraten des Sehers wurde Andromeda an
einen Felsen am Meeresrand gekettet. Die junge Prinzessin sollte dem
Seeungeheuer Keto geopfert werden und dieses Menschenopfer sollte das
Land von der Plage befreien.
Perseus rettet Andromeda, Paolo Veronese, 1576 - 1578
Als
Perseus auf dem geflügelten Ross Pegasus durch die Lüfte ritt,
erblickte er unter sich die an den Felsen gekettete Andromeda. Er
hielt sie zunächst für eine Statue, da sie so schön und so
regungslos wie in Stein gemeißelt war. Nur das Wehen ihrer Haare im
Wind und eine vergossene Träne auf ihrer Wange verrieten ihm, dass
es sich um eine lebendige, junge Frau handelte. Ein Blick und es war
um ihn geschehen. Perseus verliebte sich auf der Stelle in die schöne
Andromeda.
Andromedas
Eltern hatten in ihrer Verzweiflung zugestimmt ihre Tochter zu
opfern, weil sie keine andere Möglichkeit sahen das Land vor der
Überflutung und vor dem Seeungeheuer zu retten. Aber bis zuletzt
hofften sie auf ein Wunder und bangten in der Nähe des Felsens, an
den Andromeda gekettet war, um das Leben ihrer geliebten Tochter. Da
das Seeungeheuer Keto die Schöne gerade zu verschlingen drohte, als
Perseus Andromeda entdeckt hatte, bot er ihren Eltern an ihre Tochter
zu befreien, wenn er sie zu seiner Frau machen dürfte. Die
verzweifelten Eltern versprachen Perseus nicht nur die Hand ihrer
Tochter, sie boten ihm ihr ganzes Königreich an. Durch die Macht der
Leidenschaft gestärkt stürzte sich Perseus auf das Seeungeheuer
Keto. Da Medusa Ketos Tochter war, muss das Geschöpf einen
unendlichen Schmerz gespürt haben, als es – kurz vor seinem
eigenen Tod - den abgeschlagenen Kopf seines Kindes erblickte. Mit
Hilfe des Gorgonenhauptes, das noch immer seine versteinernde Kraft
hatte, konnte Perseus Keto besiegen, das Leben von Andromeda retten
und die schöne Prinzessin zu seiner Frau machen.
Als
Perseus auf vielen Umwegen endlich an den Hof von König Polydektes
zurückkehrte, um ihm das Gorgonenhaupt zu überreichen, hatte dieser
offenbar nur noch wenig Interesse an dem abgeschlagenen Kopf.
Letztlich überreichte Perseus das Haupt der Medusa ausgerechnet der
Frau, die für den schrecklichen Fluch verantwortlich war, der Göttin
Athene. Als Sinnbild für ihre Stärke platzierte Athene das
Gorgonenhaupt auf ihrem Schild, dem Aegis. Das Gorgonenhaupt auf dem
Schild der Athene zementierte ihre Macht als Göttin der listigen
Kriegsführung. Vermeintlichen Feinden wurde von da an allein durch
ihren Anblick Angst und Bange und kaum einer wagte es noch sich gegen
Athene zu erheben.
The Death of Medusa, Edward Burne-Jones, 1882, public domain
INTERPRETATION
Medusa
wurde von der geachteten Priesterin zur abscheulichen Gorgone,
gefürchtet von allen, denen ihre Geschichte zu Ohren kam. Die
Verwandlung der Medusa ist ein zentrales Element in diesem Mythos und
ihre düstere Transformation wird als Symbol für die dunkle Seite
der menschlichen Natur interpretiert. Ihre Geschichte soll eine
Warnung vor den schrecklichen Konsequenzen von fehlgeleiteter Wut,
ungezügelten Trieben, Neid und Rache sein.
Der
Mythos von Medusa wurde im Laufe der Jahrhunderte auf viele Arten
interpretiert. In der modernen Analyse wird Medusa oft als eine Figur
gesehen, die sowohl Opfer als auch Täterin ist, bzw. die vom Opfer
zur Täterin wurde. Medusa ist zu einem Symbol des Feminismus
geworden, sie repräsentiert die Stärke und das Leid von Frauen,
deren Geschichte – in ihren Schattenseiten - durch männliche
Gewalt und weibliche Konkurrenz geprägt ist.
Neid
und Konkurrenz
Wenn
Athene fair gehandelt hätte, hätte sie den Täter bestraft und
nicht das Opfer. Aber Athene war ein „Mannweib“, sie war die
Schutzgöttin und Begleiterin vieler Heroen, die natürlich allesamt
Männer waren. Athene konkurrierte auch mit anderen Frauen, so buhlte
sie zum Beispiel um den Titel „die Schönste“ zu sein. Neben
Venus (griechisch Aphrodite) und Juno (griechisch Hera) war Athene
eine der drei Göttinnen, die sich um den heißbegehrten goldenen
Apfel stritten, den Eris, die Göttin der Zwietracht, in die Runde
geworfen hatte. Der goldene Apfel trug die Inschrift „der
Schönsten“ und alle drei Göttinnen waren davon überzeugt, dass
dieser Titel ihnen gebührt. Athene und Juno verloren schließlich im
Wettstreit gegen Venus, was für die beiden Verliererinnen eine
Demütigung war. Da Schönheit für Athene sehr wichtig war, kann man
davon ausgehen, dass sie Medusa um ihre Schönheit beneidet hat.
In
dem Zusammenhang ist es wichtig zu betonen, dass äußerliche
Merkmale wie Schönheit oder Hässlichkeit in Mythen vor allem die
inneren Qualitäten einer Person beschreiben. Die außergewöhnliche
Schönheit, über die Medusa vor ihrer Verwandlung verfügte, soll
uns also Auskunft über ihr liebliches Wesen geben. Ebenso ist die
extreme Hässlichkeit, mit der sie durch den Fluch von Athene
bestraft wurde, eine Aussage über die Person, zu der sie nach ihrer
Transformation wurde.
Pallas Athena, Franz von Stuck, public domain
Gesellschaftlicher
Status, Intrigen und Machtmissbrauch
Der
Mythos von Medusa ist eine Darstellung der komplexen Verstrickungen,
die in Macht- und Ohnmacht-Dynamiken zustande kommen können. Athene
war mit Neptun verwandt, denn Neptun, der Gott der Meere und der
Ozeane, war der Bruder ihres Vaters Jupiter, dem Gott der Götter.
Athene war der Augapfel von Jupiter, sie war sein ganzer Stolz und da
er sie selbst geboren hatte, verzieh er ihr alles. Athene war – im
wahrsten Sinne – eine Kopfgeburt, was im Zusammenhang mit dem
Mythos von Medusa sehr vielsagend ist, denn Athene hat sich ja
letztlich mit dem Kopf der Gorgone geschmückt. Athene wurde aus dem
Haupt von Jupiter geboren, sie entsprang seinem Schädel in voller
Größe und in glänzender Rüstung. Athene verkörperte Jupiters
höchste Ideale, denn sie war – für die damaligen Verhältnisse –
hochkultiviert.
Athene
war die Göttin der Weisheit und der strategischen, intelligenten
Kriegsführung, die in erster Linie der Verteidigung dient. Athene
vertrat den Standpunkt, dass man keinen Krieg anfangen sollte, aber
dass man sich klug verteidigen muss, wenn man selbst angegriffen
wird. Athene war auch die Göttin der Künste, des Handwerks und der
Handarbeiten und es war ihr ein großes Anliegen, dass die Menschen
in diesen Disziplinen unterrichtet werden. Als Herrscher über die
Götter und über die Menschen ließ sich Jupiter nur selten eines
Besseren belehren, aber Athenes Rat schätzte er sehr und ihre
Ratschläge sorgten oft für die Lösung von besonders komplizierten
Angelegenheiten.
Wie
so oft, wenn es zu dramatischen Vorfällen kommt, gibt es auch hier
eine Vorgeschichte. Die Beziehung zwischen Neptun und seiner Nichte
Athene war vor dem schrecklichen Vorfall von Rivalität geprägt,
denn beide buhlten um die Gunst der Menschen. Sie stellten das Volk
vor die Wahl, ob sie dem Gott Neptun oder der Göttin Athene huldigen
wollten. Neptun bot den Menschen Pferde an, während Athene ihnen
einen Olivenbaum anbot. Das Volk entschied sich für den Olivenbaum,
denn die nahrhafte Pflanze gab ihnen die Möglichkeit sich
niederzulassen. Jetzt konnten die Menschen an einem Ort bleiben, weil
sie mit Hilfe des Geschenks von Athene anfangen konnten
Landwirtschaft zu betreiben. Die Menschen hatten genug vom
Nomadentum, sie wollten endlich sesshaft werden, warum sie Neptuns
Pferde ablehnten und sich für den Olivenbaum von Athene entschieden.
So wurde Athene zur Namensgeberin und Schutzgöttin der Stadt Athen.
Ihr zu Ehren wurde ein Tempel, die Akropolis, gebaut, deren Ruinen
noch heute stehen. Neptun war tief in seinem Stolz verletzt, da
Athene ihn in diesem Wettstreit besiegt hatte.

Der Wettstreit zwischen Athene und Neptun, René-Antoine Houasse, 1689, public domain
So
stellt sich die Frage, ob Neptun überhaupt je Interesse an Medusa
hatte oder ob er die schöne Gorgone nur benutzt hat, um sich an
Athene zu rächen, indem er ihr durch den Akt des Frevels seine
Respektlosigkeit demonstrierte. So oder so wurde Medusa zum Spielball
der Mächtigen, denn gegen zwei olympische Götter konnte sie kaum
etwas ausrichten. Medusa war weder ein Tier, noch war sie ein Mensch,
noch war sie eine Göttin. Medusa war eine Kreatur der Natur. Ihre
Mutter war – wie bereits erwähnt - die Meeresgöttin Keto und ihr
Vater war der Meeresgott Phorkys,
zwei uralte Geschöpfe in der griechischen Mythologie, die lange vor
den olympischen Göttern kamen. Die Gottheiten, die es vor den
olympischen Göttern gab, symbolisieren in der Mythologie eine
frühere evolutionäre Entwicklungsstufe. Keto und Phorkys sind die
Kinder von Gaia, der personifizierten Erde, eine der allerersten
Gottheiten in der Götterwelt der alten Griechen. Diese ersten
Gottheiten sind weit entfernt von den viel später entstandenen
olympischen Göttern, die im Grunde Menschen waren, die über
außergewöhnliche Fähigkeiten verfügten.

Keto (rechts) neben ihrem Bruder und Gemahl Phorkys (Mitte) und einer weiteren Meeresgottheit (links)
Da
die Meeresgötter Keto und Phorkys direkte Abkömmlinge von Gaia
sind, verkörpern sie das Meer als eine Naturgewalt und so
symbolisiert auch ihre Tochter Medusa etwas Wildes, Uriges und
Archaisches. Ihre Mutter Keto verkörperte nicht nur das wilde Meer,
sie hatte auch die Kontrolle über die urtümlichen Meeresgeschöpfe,
die in den Mythen teilweise real und teilweise fiktiv sind. Da Keto
die Gestalt eines furchterregenden Meeresungeheuers annehmen konnte,
verkörpert sie auch die Brutalität des Meeres. Von daher
symbolisiert Medusa, als eine direkte Nachfahrin Ketos, eben auch
etwas sehr Ursprüngliches; in diesem Sinne etwas Primitives. Dass so
ein Geschöpf zur keuschen Priesterin im Tempel der hochangesehenen
Athene wurde, symbolisiert den Versuch des Menschen die Natur zu
kultivieren und das Wilde zu zähmen. Athenes reiner, jungfräulicher
Tempel symbolisiert die Ambitionen des Menschen eine heile,
kontrollierbare Welt nach hohen Idealvorstellungen zu erschaffen.
Medusa hingegen symbolisiert etwas Instinkthaftes, Urzeitliches und
Triebhaftes, das auch noch heute, nach einer jahrtausendelangen
Evolution, im Menschen vorhanden ist.
Aus
einer höheren Perspektive betrachtet, erzählt der Mythos der Medusa
die Geschichte der Zivilisation. Der menschliche Verstand, der im
Mythos durch Athene verkörpert wird, hat sich im Laufe der Evolution
immer mehr ausgebildet. Durch die enorme Weiterentwicklung seines
Verstandes konnte der Mensch die „unbändige Natur“ in der
Außenwelt und im eigenen Inneren bis zu einem gewissen Grad
„zähmen“. Im Gegensatz zu anderen Säugetieren, hat sich der
Mensch im Laufe der Evolution kultiviert, er ist also über seine
ursprüngliche Natur hinausgewachsen.
Wir
haben gelernt, dass wir zusammen stärker sind. Wir haben verstanden,
dass wir Probleme durch Kommunikation lösen können, anstatt wild
aufeinander einzuprügeln. Wir lassen die Alten und Schwachen nicht
zurück, wir kümmern uns um sie. Männer haben gelernt, dass Sex nur
mit der Einwilligung der Frau stattfindet, anstatt, dass sie sich
einfach nehmen was sie wollen. Durch die Zivilisation haben wir unser
„inneres Tier“ kultiviert, weil wir in erster Instanz soziale
Wesen sind. Wir wissen, dass es in der Gruppe nur funktionieren kann,
wenn die einzelnen Gruppenmitglieder ein gewisses Maß an
Selbstbeherrschung haben, dass wir also nicht wie Tiere übereinander
herfallen. Die Selbstbeherrschung, die sich im Menschen im Laufe der
Evolution immer mehr ausgebildet hat, ist eine Grundbedingung für
unser soziales Zusammenleben, von daher haben wir ihr viel zu
verdanken. Die Frage, die der Mythos aufwirft, ist, ob man wirklich
so weit gehen will, dass man der Natur den Kopf abhackt. Denn das ist
es, was die Enthauptung der Medusa symbolisiert: die Kastration der
Natur, wohl bemerkt, der weiblichen Natur, während die männliche
Natur – in Gestalt von Neptun - für das Ausleben ihrer natürlichen
Triebe nicht bestraft wurde.
In
manchen Fällen weiß unsere innere Natur, unser inneres Tier, unsere
innere Medusa... vielleicht viel besser wo es langgeht und was zu tun
ist. Aber wenn diese innere Natur immer wieder „enthauptet“, also
beschnitten wird, „versteinert“ sie und stirbt irgendwann ab. Von
daher stellen uns die Uranus-Algol-Konjunktionen vor die Frage, ob
wir vielleicht zu beherrscht sind und uns dadurch in gewisser Weise
erstarrt fühlen? Vielleicht gehören wir aber auch zu den Menschen,
die sehr impulsiv sind, die schnell aggressiv werden und die große
Probleme mit der Selbstbeherrschung haben. In dem Fall können wir
diese Zeitqualität nutzen, um uns mit den Ursachen
auseinanderzusetzen, denn wenn wir schnell die Fassung verlieren, hat
das tiefere Gründe.
Wir
sollten immer im Hinterkopf behalten, dass der Blick in den Spiegel
im Mythos der Medusa eine entscheidende Rolle spielt. Algol bedingt sehr viel Selbstreflexion, wenn wir in Kontakt mit den hochschwingenden
Qualitäten dieses Sterns kommen wollen. Positiv gelebt kann sich
Algol in tiefer Selbsterkenntnis äußern. Algol kann die Kreativität
enorm ankurbeln und die Leidenschaft stark anheizen. Man muss „nur“
aufpassen, dass man sich nicht verausgabt und dass man sich nicht in
seinen Leidenschaften verliert. Wenn man unter dem Einfluss von
Algol steht, braucht man, neben der Hauptleidenschaft, ein weiteres
Outlet. Wenn man z.B. sehr kreativ ist, bringt einem das Ausleben
dieser Kreativität zwar viel Erfüllung, aber man braucht sozusagen
ein zweites Standbein, etwas anderes im Leben, das die eigene Mitte
stärkt. Ansonsten fühlt man sich bald wie ein Ouroboros; die
Schlange, die sich selbst verschlingt. Ähnlich verhält es sich mit
Beziehungen. Wenn man total verrückt nach einem bestimmten Menschen
ist, sollte man darauf achten seine Beziehungen zu anderen Menschen
zu pflegen, denn sonst kann die Leidenschaft unter dem Einfluss von
Algol leicht zur Obsession werden.

Mosaik der Göttin Athene mit dem Haupt der Medusa, public domain
Mythen
sind Mythen, weil sie in aussagekräftigen Bildern zu uns sprechen.
Ein Mythos kann immer auf unterschiedliche Arten interpretiert
werden. Der Mythos von Medusa kann auf einer personenbezogenen Ebene
interpretiert werden, indem wir hier die Geschichte einer
unschuldigen, gutgläubigen, ambitionierten, jungen Frau vorfinden,
die den Willen hat über die Grenzen ihrer einfachen Abstammung
hinauszuwachsen. Die Herkunft von Medusa kann so interpretiert
werden, dass es sich um eine Frau handelt, die aus „primitiven“
Verhältnissen kommt. Dass Medusa es aber trotzdem geschafft hat eine
Priesterin im Tempel der hochrangigen Athene zu werden, weist darauf
hin, dass sie einen langen, harten Weg zurückgelegt hat, bevor sie
diese hohe Position einnehmen konnte.
Da
Medusa die einzig Sterbliche von den drei Gorgonen war und da sie –
im Gegensatz zu ihren beiden Schwestern - wunderschön war, kann man
davon ausgehen, dass sie schon früh skeptisch beäugt und mit Neid
konfrontiert wurde. Wir können auch davon ausgehen, dass sie sich
nicht zugehörig fühlte, denn selbst in ihrer eigenen Familie war
sie eine Exotin. Es handelt sich also um jemanden, der auf der Suche
nach Zugehörigkeit ist, der seinen Platz in der Welt finden will und
der über die Grenzen seiner Abstammung hinauswachsen will. Medusa
orientiert sich schließlich an dem Idealbild einer keuschen Göttin,
die ein sehr hohes Ansehen geniest, der Lieblingstochter des
Gottvaters Jupiter. Auf das reale Leben übertragen, bedeutet das,
dass Medusa zu einer Angestellten in einer leitenden Position
(Priesterin) in der Firma (Tempel) einer mächtigen Frau (Athene) wurde, deren Vater der mächtigste Mann der Welt (Jupiter) war.
Diese
junge, ambitionierte Frau wird letztlich zum Opfer einer Intrige, die
der Onkel gegen seine Nichte gesponnen hat. Neptun wollte sich dafür
rächen, dass sich das Volk für Athene entschieden hat und nicht für
ihn. Neptun benutzt Medusa sozusagen als Medium, um seine Nichte in
ihrem Stolz zu verletzen, denn er weiß, dass Athene zu mächtig ist,
als dass er sie direkt angreifen könnte. Athene weiß wiederum, dass
sie ihren Onkel für seine Tat nicht ernsthaft bestrafen kann, denn
auch Neptun hat einen hohen Status im Olymp.
Davon
abgesehen war Athene, wie bereits erwähnt, ein „Mannweib“, eine
Frau, die sich in der Welt von mächtigen Männern ihren Weg gebahnt
hat. So könnte Athene gedacht haben, dass ihr Onkel eben ein Mann
ist und dass Männer ihre Triebe nun mal nicht immer unter Kontrolle
haben. Triebgesteuerte Männer kannte Athene nur allzu gut, denn mit
den Geschichten über die unzähligen Liebschaften ihres Vaters
Jupiter kann man ganze Bände füllen. Weil sie den Täter nicht
bestrafen kann oder nicht bestrafen will, lässt sie ihre Wut an dem
Opfer aus. Athene ist zwar eine Göttin, aber das bedeutet nicht
unbedingt, dass sie sich dem weiblichen Geschlecht verpflichtet
fühlt. Athene verkörpert die Art von Frau, die in einem
patriarchalen System Erfolg haben will. So schlägt sie sich lieber
auf die Seite eines mächtigen Mannes, der zum Täter wird, anstatt
einem weiblichen Opfer beizustehen, das einen geringeren
gesellschaftlichen Status hat. Offenbar hat es solche Frauen schon im
alten Griechenland gegeben und solche Frauen gibt es auch heute noch.

Haupt der Medusa by Franz von Stuck ca. 1892, public domain
Trauma
Athene
vernichtet Medusa, indem sie ihr die Schuld an der Gewalttat gibt.
Damit beschämt sie Medusa noch viel mehr, als sie es nach diesem
schrecklichen Vorfall ohnehin schon war. Hier findet also eine
Täter-Opfer-Umkehr statt. Der Schmerz, den Medusa durch den Verrat
von Athene empfunden haben muss, dürfte unermesslich gewesen sein,
denn die schlimmste Form von Missbrauch, die ein Mensch erleben kann,
ist der spirituelle Missbrauch. Medusa betete Athene an. Athene war
für Medusa nicht nur die Brücke zu einem höheren
gesellschaftlichen Status, Athene war die Göttin, der sie ihr ganzes
Dasein gewidmet hat. Wenn wir uns von anderen Menschen verraten
fühlen, ist das tragisch genug, aber wenn wir uns von Gott verraten
fühlen, finden wir nirgends Zuflucht. Wir fühlen uns – im
wahrsten Sinne – von Gott und der Welt verlassen.
Dass
Medusa nach ihrer Verbannung aus dem Tempel zu einem Schreckgespenst
wurde, das jeden, der sie anblickte, zu Stein erstarren ließ, ist
ein sehr vielsagendes Bild. Wie eingangs erwähnt, geht es im Mythos
von Medusa um Trauma. Typische Reaktionen auf eine traumatisierende
Erfahrung sind kämpfen, fliehen, unterwerfen oder erstarren. Das
Bild des Gorgonenhauptes, mit seinen aufgerissenen, aus den Höhlen
quellenden Augen, der heraushängenden Zunge, den Reißzähnen und
den wilden Schlangen, die sich um ihren Kopf winden, ist sozusagen
eine Momentaufnahme der körperlichen, emotionalen und seelischen
Verfassung eines Menschen, der ein Trauma erlitten hat. Aus
psychologischer Sicht ist die Antwort auf das Trauma in dem Fall die
Erstarrung.
Medusas
Gesicht erstarrt und unser Blick auf sie lässt uns erstarren.
Fälschlicherweise wird Medusa in jüngerer Zeit oft als ein aktiver
Part in der Versteinerung dargestellt. In Filmen sehen wir eine
blutrünstige Medusa, deren Augen tödliche Strahlen aussenden,
wodurch ihre Opfer zu Stein erstarren. Tatsächlich konnte ich in der
Mythologie keine Hinweise finden, dass Medusa auch nur einen Finger
gekrümmt hat, um jemanden zu verletzen oder gar zu töten. Nicht das
was sie tut, lässt ihr Gegenüber zu Stein erstarren, sondern das
was ihr Anblick im Gegenüber auslöst, verwandelt diesen Menschen zu
Stein. Obwohl das Thema Trauma im öffentlichen Diskurs mittlerweile
immer mehr zur Sprache kommt, haben viele von uns nach wie vor
Berührungsängste im Umgang mit traumatisierten Menschen. In
gewisser Weise sind diese Ängste auch nachvollziehbar, denn Trauma
kann von der betroffenen Person auf die Menschen, die ihr nahestehen,
übertragen werden.
Die
Schlangen, die sich wild züngelnd um Medusas Kopf winden, sind ein
sehr anschauliches Bild für die intrusiven Gedanken, unter denen
traumatisierte Menschen oft leiden. Aus dem Kopf der traumatisierten
Person quellen sozusagen giftige, verwirrende, aggressive Gedanken,
die – wie wilde Schlangen – kaum zu bändigen sind. Intrusive
Gedanken sind für viele traumatisierte Menschen - von allen Folgen
eines Traumas - oft die größte Belastung. Das Schlangenhaupt der
Gorgone erinnert uns daran wie wichtig es ist, dass wir uns um
Heilung bemühen, wenn wir unter Gedanken leiden, die uns stark
belasten. Schlangen symbolisieren nicht nur Gift, Bösartigkeit und
Zerstörung, sondern auch Transformation, Heilung, Weisheit und
Macht. Von daher sind die Schlangen, die sich um Medusas Haupt
winden, auch ein Hinweis auf die Verwandlungs- und Heilungschancen,
die wir haben, wenn wir ein Trauma erlitten haben.
Heilung
von Trauma
Zur
Erinnerung: aus der klaffenden Wunde am Hals der Medusa entspringen
Pegasus, ein geflügeltes Pferd und Chrysaor, ein mächtiger Krieger
mit einem goldenen Schwert. Das Blut der Medusa kann ein Heilmittel
oder ein Gift sein. Athene platziert das Haupt der Medusa auf ihrem
Schild.
Diese
Bilder verdeutlichen, dass Heilung möglich ist und dass ein Mensch,
der ein Trauma erlitten hat, durch die Auseinandersetzung mit der
traumatischen Erfahrung weit über seinen bisherigen Horizont
hinauswachsen kann. Das geflügelte Pferd symbolisiert einen Zugang
zu spirituellen Dimensionen, es steht für Weisheit, Kreativität und
Inspiration. Die Tatsache, dass das Blut der Medusa heilen oder
vergiften kann, weist darauf hin, dass es zu großen Teilen an uns
liegt was wir aus einer destruktiven Erfahrung machen. Der mächtige
Krieger symbolisiert die Stärke, die in uns erwächst, wenn wir
innere und äußere „Dämonen“ besiegen. Das goldene Schwert
symbolisiert, dass Wissen Macht ist und dass das Verstehen der
Zusammenhänge von negativen Erfahrungen zu einer positiven
Transformation führen kann. Gold symbolisiert den alchemistischen
Prozess, durch den Blei in Gold verwandelt wird. Schwerter
symbolisieren Intelligenz, kommunikative Fähigkeiten und die
Fähigkeit sich von schädlichen Einflüssen zu lösen. Dass die
Göttin Athene durch das Haupt der Medusa auf ihrem Schild noch
mächtiger wurde, zeigt wie wichtig der „Mut zur Hässlichkeit“
ist. Insbesondere Frauen haben auch heute noch verinnerlicht, dass
man immer nett und höflich sein muss. Wenn man es mit Menschen in
Machtpositionen zu tun hat, sollte man tun was von einem verlangt
wird. Bei etwaigen Übergriffen und Grenzverletzungen sollte man sich
nicht wehren, weil die mächtigere Person am längeren Hebel sitzt.

Medusa Trinkbrunnen, Nemi, Italien
Schutz
und Abwehr
Diejenigen
von uns, die Probleme haben sich abzugrenzen und für sich
einzustehen, können eine Dosis Algol gut gebrauchen. Wohl bemerkt:
auf die Dosis kommt es an. Bei Algol gilt der gleiche Grundsatz wie
in der Heilkunde: die Dosis macht das Gift.
Das
Haupt der Medusa wurde letztlich zu einem mächtigen Schutz- und
Abwehrsymbol, warum es auch heute noch an alten Gebäuden, Tempeln
und Brunnen im Süden Europas zu finden ist. Alexander der Große,
der von 336 bis 323 vor Christus König von Makedonien war, trug das
Haupt der Medusa auf seiner Rüstung. Die Gorgone auf seiner Brust
sollte seine Feinde abschrecken und dem Kriegsherrn Kraft verleihen.
Eine Frau, die – wie Athene - das Haupt der Medusa „auf ihrer
Brust trägt“, signalisiert, dass sie Erfahrung im Umgang mit
Übergriffen und Grenzverletzungen hat. Sie kann ihre „hässlichen“
Seiten zeigen, wenn sie dem Selbstschutz oder der Verteidigung
dienen. Eine ähnliche Botschaft sendet ein Gorgonenhaupt, das uns
von der Wand eines Gebäudes entgegenstarrt. Heute finden wir an
Häusern oft Schilder mit der Aufschrift „Vorsicht! Bissiger
Hund!“. Das Haupt der Medusa an einer Hauswand signalisiert, dass
seine Bewohner gewappnet sind und dass sie bereit sind sich gegen
etwaige Angriffe zu verteidigen.

Alexander der Große mit dem Haupt der Medusa (Brustplatte), Mosaik,120-100 v.Chr.
Der
Mythos von Medusa ist so reich in seiner Bildsprache, dass ich hier
nicht seine ganze Symbolik besprechen kann. Dadurch, dass Mythen in
Symbolen zu uns sprechen, regen sie das intuitive, kreative Denken
an. Die „Traumsprache“, die einen Mythos ausmacht, richtet sich
direkt an unser Unbewusstes. Dadurch werden eine Vielzahl von
Assoziationen ausgelöst, die beim Einzelnen ganz unterschiedlich
ausfallen können, je nachdem wie sehr wir uns mit dem jeweiligen
Mythos identifizieren können. Von daher geht es in erster Linie um
das, was die Bilder, mit denen der Mythos von Medusa arbeitet, in uns
persönlich auslösen.
URANUS
Zum
Abschluss möchte ich noch die Verbindung zu Uranus herstellen. Wie
eingangs erwähnt, bildet Uranus, der große Revoluzzer, Erneuerer
und Befreier, drei Konjunktionen zu Algol, dem Haupt der Medusa.
Mythologisch zeigt sich eine faszinierende Analogie zwischen Medusa
und Uranus, denn Medusa wurde enthauptet und Uranus wurde kastriert.
Der Frau wurde ihr Kopf genommen und dem Mann sein Glied. Hier
treffen also zwei Vertreter ihres Geschlechts aufeinander, die beide
ein unsagbares Leid erfahren haben.
Astrologisch
ist Uranus der Planet der Sozialisation und der Individuation.
Einerseits fordert uns Uranus dazu auf uns nützlich zu machen, indem
wir uns aktiv in die Gesellschaft einbringen und andererseits
erwartet er von uns, dass wir unsere Individualität ausbilden und
Zivilcourage zeigen, wenn Unrecht geschieht. Uranus erwartet, dass
wir für uns selbst Verantwortung übernehmen und dass wir
Verantwortung für unser Lassen und Tun in der Gesellschaft
übernehmen, bzw. innerhalb von Gruppen allgemein. Uranus
symbolisiert Gruppendynamiken, im Kleinen, wie im Großen. Bei Uranus
geht es um kollektive Entwicklungen, die die ganze Gesellschaft
betreffen, hier geht es aber auch um Dynamiken innerhalb von
kleineren Gruppen, wie zum Beispiel im Freundeskreis, im
Kollegenkreis, in der Yoga-Gruppe oder im Fußballverein. Die
Konjunktionen, die Uranus zu Algol bildet, fordern uns dazu auf für
uns selbst einzustehen, wenn wir ungerecht behandelt werden und dass
wir uns für andere stark machen, wenn ihnen Unrecht geschieht.
Der
Mythos von Medusa handelt zwar von einer Frau, die von einem Mann
vergewaltigt wird, aber letztlich plädiert er dafür die schädlichen
Aspekte des Patriarchats zu transformieren, für Frauen und
Männer. Wann immer über die negativen Auswüchse des Patriarchats
gesprochen wird, wird suggeriert, dass nur Frauen unter patriarchalen
Machtstrukturen zu leiden haben, während sich Männer in einem
patriarchalen System frei entfalten können. Tatsächlich leiden die
meisten Männer in einem Patriarchat ebenso wie ein Großteil der
Frauen. Die meisten Männer müssen in patriarchalen Strukturen auch
„auf den Knien rutschen“, denn in einem Patriarchat gilt
letztlich das Recht derer, die sich in Machtpositionen befinden. Von
daher möchte ich mit der Erzählung über Medusa keineswegs den
Anschein erwecken, als wenn die Lösung in einer Herrschaft von
Frauen liegen würde. Der Mythos zeigt nur allzu deutlich, dass
Frauen eine Machtposition ebenso missbrauchen können wie Männer.
Auf
einer gesellschaftlichen Ebene können die revolutionären Energien
von Uranus eine tiefgreifende Bewusstwerdung in Hinblick auf
Machtmissbrauch bewirken. Aber wer ist die Gesellschaft und wie kommt
es zu Fortschritten in einer Gesellschaft? Wir alle sind Teil der
Gesellschaft und so liegt es an jedem Einzelnen von uns wie wir mit
Macht umgehen und ob wir uns wehren, wenn jemand versucht gegen
unseren Willen Macht über uns auszuüben.
Demokratie,
als Gesellschaftssystem, ist im alten Griechenland entstanden.
Platon, der große griechische Philosoph, der ungefähr von 428 bis
348 vor Christus gelebt hat, plädierte schon zu seiner Zeit für die
Gleichberechtigung von Mann und Frau. Platon hat sich auch schon
damals dafür eingesetzt die Standesunterschiede in der Gesellschaft
aufzuheben. Allerdings war die griechische Gesellschaft zu der Zeit
noch nicht so weit entwickelt, dass die Mehrheit bereit war Platons
progressive Ideen umzusetzen. Die Frage ist, ob wir heute, mehr als
2000 Jahre später, für eine real gelebte Demokratie bereit sind.
Die Uranus-Algol-Konjunktionen stellen uns dahingehend auf die Probe.
Die Begegnungen zwischen Uranus und Algol sind eine wichtige
Initiation für den zwanzigjährigen Transit von Pluto durch den
Wassermann. Wenn Pluto, der Transformationsplanet, durch den
Wassermann, das Herrscherzeichen von Uranus läuft, wird die
Gesellschaft eine tiefgreifende Transformation durchleben. Aber wie
der Mythos von Medusa zeigt, kann eine Transformation sowohl positiv
als auch negativ sein. Von daher sollten wir jetzt sehr genau darauf
achten an welchen gesellschaftlichen Entwicklungen wir uns beteiligen
und von welchen wir besser Abstand nehmen.
„Der Fernseher, diese heimtückische Bestie, diese Medusa, die jede Nacht eine Milliarde Menschen zu Stein erstarrt, starr starrend, diese Sirene, die rief und sang, die so viel versprach und doch so wenig gab.“
Ray Bradbury
Uranus
und die Technik
Die
Macht, um die es bei den Algol-Uranus-Konjunktionen geht, bezieht
sich auch auf unseren Umgang mit Technik. Uranus korrespondiert mit
den Wissenschaften und der Technik. Wissenschaft und Technik können
uns eine große Macht verleihen, sie können uns aber auch in die
„Frankenstein-Falle“ führen. Unter Umständen erschaffen wir –
wie Dr. Frankenstein - ein „Monster“, das wir nicht mehr unter
Kontrolle haben. KI Experten gestehen „we are building the plane,
while we are flying it“, sprich „wir fliegen das Flugzeug,
während wir noch dabei sind es zu bauen“. Nicht einmal Experten
auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz haben eine Vorstellung
davon in welche Richtung uns der rasante technische Fortschritt
führt. Auch in dem Fall stellt sich die Frage, ob wir das Blut der
Medusa zur „Vergiftung“ oder als „Heilmittel“
nutzen. Dieses sowohl-als-auch und die zwei Seiten einer Medaille
sind eine wesentliche Botschaft von Algol. Es ist nicht einfach etwas
nur positiv zu nutzen, aber wir können es zumindest
versuchen....*)))
Viele
liebe Grüße mit den Sternen ✨
Lia
Daten Uranus Konjunktion Algol 2024 - 2025:
20.07.2024 19:41:50 MEZ/S Uranus Konjunktion Algol 26°30´24 Stier
14.10.2024 23:28:10 MEZ/S Uranus Konjunktion Algol 26°31´03 Stier (r/d)
04.05.2025 13:17:20 MEZ/S Uranus Konjunktion Algol 26°30´55 Stier
Daten Uranus Konjunktion Algol 1940 - 1941:
18.07.1940 14:36:40 MEZ/S Uranus Konjunktion Algol 25°20´14 Stier
16.10.1940 08:06:50 MEZ/S Uranus Konjunktion Algol 25°20´52 Stier (r/d)
03.05.1941 00:18:00 MEZ/S Uranus Konjunktion Algol 25°20´36 Stier
Wichtige langfristige Themen der astrologischen Zeitqualität:
Jupiter in den Zwillingen 26.05.2024 - 09.06.2025:
Jupiter in den Zwillingen ♊ 26.05.24 - 09.06.25: Aller Anfang ist das Wort - YouTube
Saturn in den Fischen 2023 - 2026:
Saturn in den Fischen ♓07.03.2023 - 14.02.2026: SEELENWERKE 🙏 - YouTube
Pluto im Wassermann 2023 - 2044:
Pluto im Wassermann ♒ 2023-2044: Jetzt sind WIR dran! - YouTube
Sonne-Venus-Zyklus 2022 - 2130: Schütze was Dir lieb & teuer ist:
Sonne-Venus-Zyklus 2022 - 2130
Mondknoten in Widder-Waage 2023 - 2025:
Karma-Astrologie: Mondknoten auf der Beziehungsachse Widder ♈ / ♎ Waage 17.07.23 - 12.01.25 - YouTube
Uranus im Stier ♉ 2018 - 2026:
Symbolsysteme: Uranus im Stier 2018 bis 2026
Chiron im Widder ♈ 2018 - 2027:
Symbolsysteme: Video: Chiron im Widder April 2018 bis April 2027: Heilung ist in Dir
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